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Die erste Nacht in der Psychatrie. Wie weit hab ich mich gebracht mit meinem Ehrgeiz.


Privatklinik, 11. April, 2. Tag

Die 1. Nacht hatte ich natürlich fast nichts geschlafen, meine Zimmergefährtin auch nicht. Aber doch, ein bisschen.

Ich hatte geträumt im Bett sei irgend eine Überwachung eingebaut und im Tee ein Medikament.

Ich muss dazu sagen, die Klinik sah aus wie aus einem Horrorfilm. Eine alte Villa mit knarzenden Dielenboden, abgeschieden mitten in einem dunklen Tannenwald, 2 km vom nächsten verschlafenen Ort entfernt. An den Fenstern natürlich Gitter und der Vorgarten mit einem 3 Meter hohen Eisentor verschlossen.

Es war ein altes Jagdschloss und die Klinik ein Familienbetrieb mit langer Tradition. Sehr mystisch, sehr gespenstisch. Meinem Mann lief es damals eiskalt den Rücken herunter, als er mich dort zurück ließ, dass hatte er mir nach meinem Aufenthalt gestanden.

Dort angekommen fühlte ich mich plötzlich irre. Ich musste an alle Filme denken, die je in einem Irrenhaus spielten. Wobei ich sagen muss, dass dort keine Irren untergebracht waren, also keine Geisteskranken und auch keine Selbstmordgefährdeten oder Menschen die gewaltbereit waren oder so. Es waren ganz normale Leute, die eine akute (Lebens) Krise hatten, eine psychosomatische Klinik also.

Ich fühlte mich kränker als je zuvor, hatte komische Zuckungen und fühlte mich wie unter Drogen. Dabei hatte ich jede Art von Medikament abgelehnt. Ich nehm ja noch nicht mal Aspirin.

Um 7:30 Uhr sollte ich baden. Also so ein Blödsinn dachte ich. Wer macht denn sowas? Das Bad war jedoch klasse, sollte ich zuhause vieleicht auch mal machen, VOR der Arbeit baden. Sowas verrücktes....

Früh geht es mir ja immer am schlechtesten.


13.6.16 21:46


Die strenge Erziehung meines Mannes machte auch ihn depressiv

8. April 2014

Mein Mann ist am Ende seiner Kräfte, ich mache mir große Sorgen. Ihn während meiner Therapie mit der Arbeit (von 6:45 Uhr bis 17 Uhr in einer Fabrik) und den beiden Kindern alleine zu lassen, wäre unverantwortlich, er kann sich in dieser einen Woche, wo ich jetzt noch zuhause bin, unmöglich erholen. Ich war ja nun schon 6 Wochen nicht zu Hause.

(Ich bin am 30. Juni 2014 ausgezogen und habe mich scheiden lassen, mein Mann lebt seit dem mit den Kindern alleine, er geht täglich von von 6:45 Uhr bis 17 Uhr auf die Arbeit und kümmert sich um Haushalt und Kinder alleine. Familiäre Unterstützung gibt es nicht)

Eigentlich hätte mein Mann damals auch sehr dringend eine Kur gebraucht. Aber  er war ja zu Disziplin und Fleiß erzogen worden. Aufgeben und Hilfe holen waren für ihn undenkbar, eher noch zog er den Heldentot vor.

Ich war ja zuletzt wochenlang bei seinen Eltern. Sein Vater wäre schon einmal fast an einem Herzinfarkt gestorben, weil er eine Herzmuskelentzündung nicht vollständig auskuriert hatte und ohne Nachuntersuchung nach Russland zu seinen armen Kindern gefahren ist, für die er dort ein Kinderdorf errichtet hatte.

Meine Schwiegereltern haben ihren Kindern, einschließlich meinem Mann, vorgelebt bzw. tun das immer noch, dass es anderen Menschen auf der Welt immer noch schlechter geht als uns und dass wir uns verdammt noch einmal schämen sollten, hier im Wohlstand zu sitzen und zu jammern und zu kränkeln.

Mein Mann verteidigte seine Eltern immer, aber genau das war der Kern des Problems: Runterspielen und blos keine Schwäche zeigen.

Meine Söhne werden jetzt leider auch so erzogen. Sie müssen funktionieren und geweint wird nicht. Vor allem meinem großen Sohn, wird der Leistungsgedanke täglich eingebleut und mit Geld und Geschenken belohnt.

Ich könnte heulen, wenn ich daran denke.

Wo bleibt da die Liebe zu sich selbst?

Wo bleibt da die Liebe zu den Kindern? Die bedingungslose Liebe, die nichts fordert, sondern nur liebt was ist?

Meine Gedanken damals waren:

Andere lassen sich scheiden, schmeißen den Job hin, bringen sich und die Kinder um, hauen einfach ab oder tun sich Gewalt an bis sie in den Knast kommen. Sie werden Alkoholiker oder fettsüchtig, oder sie bekommen einen Schlaganfall, Herzinfarkt, eine Embolie oder Krebs.

Ich wollte nicht warten bis uns eines dieser schlimmen Dinge passierte. Ich wollte nicht warten bis Gott die nächsten Zeichen sendete.

Dass mein kleiner Sohn vor ein paar Tagen im Krankenhaus lag, weil niemand wusste woher seine Bauschschmerzen kamen und ich Angst hatte er würde sterben und das der erste Tag im Jahr war, an dem ich mal nicht zur Arbeit ging sondern für meine Sohn da war anstatt für meinen Chef, war mir Gottes Warnung eigentlich genug.

Ich schrieb damals in mein Tagebuch: ICH HABE VERSTANDEN. Bitte lieber Gott hilf uns, dass mein Mann Einsicht hat und das auch endlich einsieht.

Bitte, bitte, bitte oh mein Gott!

Mein Mann leidet seit vielen Jahren unter Verfolgungswahn. Er kann sich zuhause nicht genügend erholgen, er hat viele Ängste und Zwänge. Er bräuchte auch professionelle Hilfe. Er muss in die Klinik, wenn er gesund werden will.

Sobald absehbar ist wann ich auf Kur kann, sollte er so schnell wie möglich für die Zeit bis dahin krank geschrieben werden und zu seinen Eltern gehen, da ist weniger Hektik. Unbedingt! Das muss sein, sonst überlebt er trotz Krankschreibung die Zeit während meines Klinikaufenthaltes nicht.

Notfalls verliert er seinen Job, er wird eh krank werden und nicht mehr arbeiten können. Mein Job ist sicher und ich finde sicher auch einen anderen. Notfalls verkaufen wir das Haus. Gesundheit geht vor alles!

Lieber glücklich im Zelt, als unglücklich im  Palast, dachte ich damals.

Ich dachte: meine Kinder brauchen kein Haus, sie brauchen LIEBE und GLÜCK, damit sie STARK werden und in ihrem Leben zurecht kommen. Und vor allem brauchen ihre Eltern das, damit sie es ihnen geben können.

Ich kann sehr, sehr gut haushalten, ich komme auch mit sehr, sehr wenig Geld aus. Ich bringe meine Familie locker mit Hartz VI durch. Aber das wird nie passieren, weil wir krank sind und Krankengeld bekommen und weil wir ausgebildete Fachkräfte sind, alle beide.

Leute wie wir werden gesucht, wir haben ausgezeichnete Zeugnisse und hervorragende persönliche Fähigkeiten, wir können ganz neu anfangen und gemeinsam sind wir stark.

Wir schaffen das auf jeden Fall und alles wir besser als jemals zuvor. Weil wir lernen und handeln können.

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Mit diesen Zeilen machte ich mir damals Mut. Ich ahnte ja nicht wie schlimm die Seele erkranken kann und wie arbeitsunfähig man dadurch wird und wie schwer es ist nach langer Krankheit irgendwo genommen zu werden. Und vor allem ahnte ich nicht, was als nächstes kommen würde........

13.6.16 20:51


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